Suche nach Ursache und Lokalisation

Die Suche nach der Lokalisation und der Ursache einer peripheren Fazialisparese ist für eine rasche und erfolgreiche Behandlung ausschlaggebend.

Symptome können Rückschlüsse auf den Ort der Schädigung geben

Welche Symptome eine betroffene Person zeigt, kann Hinweise darauf geben, an welcher Stelle der Nerv geschädigt ist. Man spricht hier von der sogenannten topodiagnostischen Untersuchung

  • Ausschliesslich motorische Ausfälle sprechen für eine Schädigung nach dem Austritt des Nervs aus dem Schädelknochen, also im letzten, extrakraniellen Abschnitt.

  • Kommt zusätzlich ein Ausfall des Stapediusreflexes hinzu – erkennbar an einer erhöhten Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) –, deutet dies auf eine weiter proximal gelegene Schädigung hin, typischerweise auf Höhe des Ganglion geniculi oder knapp davor.
  • Sind zusätzlich die Tränensekretion und das Geschmacksempfinden betroffen, spricht dies für eine Schädigung nahe am Hirnstammkern oder im inneren Gehörgang.

Diese Zuordnung ist ein grober klinischer Anhaltspunkt und kein sicherer Beweis: Studien zeigen, dass topodiagnostische Tests den Ort der Schädigung nicht immer zuverlässig vorhersagen, während der Stapediusreflex-Test sich in grösseren Kohorten als recht verlässlicher prognostischer Marker für den Heilungsverlauf gezeigt hat. In der Praxis werden diese Tests deshalb meist ergänzend zu Bildgebung und weiteren Untersuchungen eingesetzt.

modifizierte Grafik nach einer Abb. in  Atlas of Surgery of the Facial Nerve Bachi T Hathiram, DS Grewal
modifizierte Grafik nach einer Abb. in Atlas of Surgery of the Facial Nerve Bachi T Hathiram, DS Grewal

Wie wird die Ursache abgeklärt?

Zusammen mit Angaben zum zeitlichen Verlauf der Lähmung (plötzlich oder schleichend einsetzend) und zu Begleitsymptomen wie Schwindel, vorausgegangenem Sturz oder anderen Erkrankungen wird nach der Ursache der Lähmung gesucht. Bei Verdacht auf eine Infektion erfolgt meist eine Blutuntersuchung, gelegentlich auch eine Untersuchung des Liquors (Nervenwasser). Nach Unfällen oder bei Verdacht auf eine tumoröse Ursache kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, CT oder MRI zum Einsatz.