Tagsüber: Achten Sie auf regelmässige Befeuchtung mit Augentropfen oder künstlicher Tränenflüssigkeit. Schliessen Sie beide Augen so oft wie möglich willkürlich und helfen Sie beim betroffenen Auge sachte mit dem Finger nach. Fragen Sie eine spezialisierte Gesichtstherapeut:in nach augenfreundlichen Techniken.
Nachts: Verwenden Sie eine Vitamin-A-haltige Augensalbe und schützen Sie die Hornhaut des Auges vor Austrocknen mit einem Uhrglas-Verband. Diesen erhalten Sie in der Apotheke.
KONSULTIEREN SIE EINE AUGENÄRZT:IN ZUR BERATUNG VON MASSNAHMEN FÜR TAG UND NACHT.
Mit Ihrem gesunden Auge blinzeln Sie regelmässig und oft. Dadurch wird Ihr Auge befeuchtet, gereinigt und ernährt. Auf der gelähmten Gesichtsseite ist dies nicht möglich, deshalb besteht ein grosses Risiko für ein Austrocknen der Oberfläche des Auges. Um langfristig eine Schädigung des Auges zu vermeiden, ist neben Befeuchtung ein Schutz vor Sonne, Wind, Staub und trockener Luft wichtig:
Eine Fazialisparese kann den kompletten Schluss des Auges beeinträchtigen, so dass das Auge nachts offen bleibt. Auch das Blinzeln kann beeinträchtigt sein. Es fehlt der regelmässige Lidschlag, der das Auge tagsüber reinigt und befeuchtet. Dadurch besteht die Gefahr der Austrocknung der Oberfläche des Auges. Da der Fazialisnerv auch die Produktion von Tränenflüssigkeit steuert, kann zusätzlich der Tränenfilm beeinträchtigt sein. Unbehandelt, also ohne regelmässige Befeuchtung des Auges, kann dies zu bleibenden Schäden der Sehfähigkeit führen, denn bei langfristiger Austrocknung kann die Hornhaut ulzerieren. Damit kommt es zu irreversiblen Schäden an der Hornhaut. Dies lässt sich mit tiefen Kratzern in der Windschutzscheibe eines Autos vergleichen und verschlechtert das Sehvermögen unwiederbringlich.
NEIN, führen Sie niemals Gesichtsbewegungen mit Kraft oder Druck aus! Eine erfahrene Therapeut:in, kann den idealen Zeitpunkt für den Beginn von aktiven Bewegungen bestimmen und Ihnen genau zeigen, wie einzelne Bewegungen differenziert angesteuert werden sollen, um langfristig eine bestmögliche Symmetrie des Gesichtes zu erreichen. Grosse Anstrengung hingegen führt zum Abspeichern von ungünstigen und unphysiologischen Bewegungsmustern.
JA, Therapie oder auch Beratung sind in jeder Phase der Nervenregeneration hilfreich. Idealerweise beginnt die Therapie unmittelbar nach Beginn einer Lähmung. Sie kann jedoch auch zu einer späteren Zeit, in der chronischen Phase, einsetzen. In Fällen mit guter Prognose und rascher Spontanheilung ist gelegentlich eine einmalige Beratung ausreichend.
Nach einer sorgfältigen Untersuchung entscheidet die Therapeut:in zusammen mit der Patient:in, was nötig ist:
Die Therapie sollte unbedingt durch eine erfahrene Therapeut:in mit spezifischem Fachwissen durchgeführt werden.
Adressen finden Sie hier.
Die nötige Intensität hängt vom individuellen Zustand des Fazialisnerv und der Gesichtsmuskulatur ab. Eine Therapeut:in mit Zusatzausbilding passt die Intensität des Trainings dem jeweiligen Erholungsgrad des Nervs an. Dabei gelten jedoch immer:
Verschiedene Berufsgruppen bieten spezifische Trainings für Patient:innen mit Gesichtslähmung an:
Sofort!
Eine Beratungsstunde mit einer Therapeut:in soll unmittelbar nach Diagnosestellung stattfinden.
Danach kann die Therapeut:in mit Zusatzausbildung zur Diagnostik und Therapie von peripheren Fazialisparesen beurteilen, ob eine einmalige Beratung ausreicht oder wann weitere Therapieeinheiten nötig sind und welche Schritte sinnvoll sind.
Eine speziell für Gesichtslähmung ausgebildete Therapeut:in stellt für jede Patient:innen einen individuellen Therapieplan zusammen. Je nach Phase der Nervenregeneration und Funktion der einzelnen Nervenäste finden die Therapiestunden statt:
PHASE DER PARALYSE
In der Phase der kompletten, schlaffen Lähmung liegt der Fokus hauptsächlich auf intensiven Massnahmen zum Schutz des Auges. Die Gesichtsmuskulatur wird vorwiegend durch passive Techniken behandelt. Es sollen KEINE aktiven Bewegungen geübt werden.
PHASE DER PARESE
Sobald erste winzige Bewegung möglich werden, sollen die Massnahmen der Paralysephase weitergeführt werden. Zusätzlich können nun gezielte, individuell angepasste Bewegungsübungen dazukommen.
SYNKINETISCHE PHASE
In der Spätphase kann erhöhter Muskeltonus durch Wärme und differenzierte Stretchgriffe abgebaut werden. Durch kognitive Lernprozesse ist es möglich, störende Synkinesien zu entkoppeln und zu reduzieren.
Viele Menschen, die an einer Bell-Parese leiden, erholen sich in der Regel nach wenigen Wochen bis zu drei Monaten vollständig. Lähmungen anderer Ursachen können eine etwas längere Heilungszeit aufweisen, die bis zu zwei Jahren dauern kann. Der Schweregrad und die Lokalisation der Schädigung haben einen Einfluss auf die Dauer der Erholung. Auch die Chance auf eine vollständige Erholung ist abhängig vom Schweregrad der Nervenschädigung.
Da der Fazialisnerv nur sehr wenig, zu vernachlässigende sensible Fasern beeinhaltet, lassen sich Schmerzen in der Akutphase nicht mit der Schädigung dieses Nervs erklären. Es gibt jedoch vielfältige Gründe, weshalb trotzdem milde in seltenen Fällen auch äusserst starke Schmerzen auftreten können.
Beispielsweise kann eine Entzündung des Nervus facialis im Bereich der Schädelbasis schmerzhaften Druck und Schmerzen hinter dem Ohr auslösen. In anderen Fällen kann neben dem Fazialisnerv auch der für sensible Empfindungen im Gesicht zuständige 5. Hirnnerv von einer Schädigung betroffen sein und dadurch Schmerzinformationen ans Hirn zurücksenden. Weiter kommen auch Spannungsschmerzen und Verspannung im Hals, Nacken oder gar im Rücken vor, da manche Menschen mit Muskelan- oder Muskelverspannung auf die neue, sehr belastende Situation in ihrem Gesicht und auf die Verschiebung der früher reibungslos ineinander passenden Puzzleteile im Gesicht reagieren. In jedem Fall ist eine detaillierte Diagnostik und anschliessend eine ursachenbezogene Behandlung der Schmerzen nötig.
Nach einer nachhaltigen Schädigung der Nervenfasern des Nervus fazialis, können die geschädigten Fasern neu aussprossen. Dieses Neuaussprossen lässt sich vergleichen mit dem Ausspriessen eines Rosenbusches nach dem Zurückschneiden. Da jedoch im Gesicht nicht alle Nervenfasern den Weg zur korrekten Muskelgruppe finden, entstehen manchmal Mitbewegungen oder erhöhter Muskeltonus, der unbehandelt unangenehm oder sogar extrem schmerzhaft werden kann. Nehmen Sie unbedingt Kontakt mit einer spezialisierten Gesichtstherapeut:in auf, denn übliche Schmerzmittel helfen hier nicht weiter.
Wenn Sie eine Therapie in der Frühphase verpasst haben, kann dank der Plastizität des Gehirns auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Therapie gestartet werden. In der chronischen Phase können unter anderem sekundäre Probleme wie Spannungen, muskuläre Verkürzungen und Schmerzen behandelt werden.
NEIN! Betroffene Patienten sollten keinesfalls mittels Kaugummikauen oder übermässig forciertem Kauen auf der betroffenen Seite versuchen, die mimische Muskulatur zu trainieren. Denn häufiges und übertriebenes Kauen kann langfristig zu Massenbewegungen oder gar zu Mitbewegungen führen.
JA, aber gönnen Sie Ihrem Körper in der Frühphase einer Lähmung genügend Ruhe, um die Erholung des Nervs zu unterstützen. Moderate Bewegung oder Sport sind bei entsprechendem Schutz des Auges erlaubt. Vermeiden Sie jedoch Trainingseinheiten mit hoher Pulsfrequenz oder an Ihrer Leistungsgrenze. Damit rauben Sie Ihrem Körper Energie, die er zur Heilung bräuchte.
Falls Sie unsicher sind, welche Sportarten und welche Intensität sinnvoll sind, sprechen Sie mit Ihrer Therapeut:in.
Ob Sie mit einer akuten Fazialisparese arbeiten können, hängt von Ihrer Belastung und Faktoren am Arbeitsplatz ab. Staub, Zug oder stundenlange Arbeit an einem Computerbildschirm sind beispielsweise ungünstig. Achten Sie auf körperliche Signale wie Müdigkeit und gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Ruhe. Sprechen Sie mit Ihrer Ärzt:in oder Ihrer Therapeut:in über die Situation am Arbeitsplatz, den Verhältnissen auf einer Reise oder am Urlaubsort.
Sowohl die klinische Erfahrung wie aktuelle Publikationen und Forschungsarbeiten zeigen auf, dass Elektrotherapie im Gesicht nur in ausgewählten Fällen hilfreich ist. Denn Massenbewegungen, Mitbewegungen und Fehlaussprossungen einzelner Nervenfasern können bei ungünstiger Anwendung gefördert werden. Sprechen Sie darüber mit einer speziell dafür ausgebildeten Therapeut:in.
Nein, die hormonellen Veränderungen während einer Schwangerschaft lösen keine periphere Gesichtslähmung aus. Aber das Risiko, an einer idiopathische Fazialisparese zu erkranken, ist während der Schwangerschaft um den Faktor 3.3 höher als gewöhnlich.
Sprechen Sie mit Ihrer Ärzt:in und Ihrer Therapeut:in. Das Fazialis-Rehabilitationsteam findet nach sorgfältiger Beurteilung mit Ihnen zusammen heraus, ob und wann eine chirurgische Massnahme hilfreich sein kann.
Wenden Sie sich für eine individuelle Beratung an eine erfahrene, speziell ausgebildete Therapeut:in.
