Im Falle einer schwerwiegenden Schädigung des Nervus facialis entwickeln sich Synkinesien. Diese entstehen beim fehlgeleiteten Ausspriessen von ehemals verletzten Axonen. Der Prozess der "verirrten" Axone wird aberrante Nervenregeneration genannt.

Die "falsch" ausgesprossten Fasern führen bei mimischen Bewegungen, beim Sprechen oder beim Essen zu gleichzeitig vorkommenden, unbeabsichtigten Mitbewegung oder Mitbewegungen. Diese Mitbewegung wird Synkinesie (Mehrzahl: Synkinesien) genannt.
Neben den Synkinesien, also ungewolltem Muskelzucken, kommt es in der synkinetischen Phase auch zu Muskelverkürzungen. Beispielsweise bleibt ein ehemals hängender Mundwinkel in einer dauerhaft, krampfhaft erhöhten Position stehen. Die muskulären Kontrakturen führen zu einer ungünstigen Veränderung der Symmetrie in Ruhe, behindern die Beweglichkeit durch Gegenzüge und können Unwohlsein oder Schmerzen verursachen
Zu den häufigsten Synkinesien zählen

Das Bild zeigt einen Mann beim Versuch, die Lippen zu runden.
Seine rechte Gesichtshälfte war ehemals gelähmt, zeigt nun nach aberranter Nervenaussprossung eine Vielzahl an Mitbewegungen.
Gleichzeitig mit der beabsichtigten Rundung der Lippen sind unter anderem folgende Synkinesien (gleichzeitige, unbeabsichtigte Aktivität) zu beobachten:
Es stehen je nach Schweregrad und Anzahl der fehlgeleiteten, aberrant ausgesprossten Fasern verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:
In sehr schwerwiegenden Fällen können auch chirurgische Lösungen wie Neurektomie oder Myektomie zum Einsatz kommen.
